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Nachricht vom 2017-03-17
Verfasser: Werner Schulz  
Bei Rejloia, Glupperla, Guggan und Gaabandln aufgeblüht

Mit seinen kurzweiligen Ausführungen über heimische Frühlingsbräuche und einem Dialekt-Auffrischungskurs fesselte der Ursensollener Heimatpfleger Josef Schmaußer eine gute Stunde lang sein Publikum im Seniorenzentrum Evergreen. Zur Veranschaulichung hatte er einige Requisiten aus früheren Zeiten mitgebracht, z.B. „Gaabandln“, Bänder aus Hanf, mit denen man bis zum Aufkommen des Mähdreschers Garben – im Dialekt „Gaa“ – zusammenband, trocknete und zu Hause lagerte.
Schnaittenbach. Will man alte Bräuche und in Vergessenheit geratene Dialektausdrücke lebendig werden lassen, tut man gut daran, den Ursensollener Heimatpfleger Josef Schmaußer zu sich einzuladen. Die Leiterin des Evergreen-Seniorenheims Regina Hofmann holte ihn dazu ins Haus und landete einen Volltreffer. Die Heimbewohner und Gäste waren von seinen Erzählungen mehr als angetan. „Woar des heint a schöina Naoumittoch!“, waren sie sich einig.

Mit seinen kurzweiligen Ausführungen über heimische Frühlingsbräuche und einem Dialekt-Auffrischungskurs fesselte er eine gute Stunde lang sein Publikum. Die Senioren wussten es zu schätzen, dass sie sich immer wieder selbst aktiv einbringen und interessante Beiträge aus ihrem reichen Lebensschatz beisteuern konnten. Mit zwei Frühlingsgedichten, die von den Anwesenden mitgesprochen wurden, eröffnete Schmaußer die Veranstaltung, bevor er sich der einst großen Bedeutung der Namenstage zuwandte.

Es lag in der Natur der Sache, dass er sich besonders dem Josefi-Tag widmete, der am 19. März gefeiert wird. Lange Zeit ein bäuerlicher Feiertag, wurde er erst zum „halben Feiertag“ herabgestuft und 1968 in Bayern ganz abgeschafft. Seiner Bedeutung entsprechend waren dem Josefi-Tag viele Bauern- und Wetterregeln gewidmet, z.B. der Spruch „Ist’s an Josefi-Tag klar, folgt ein fruchtbares Jahr.“

Ausführlich ging Schmaußer auf das Brauchtum der Fasten- und Osterzeit ein. Fasten werde von allen Weltreligionen praktiziert. Dass man nach dem Motto „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ mit der Starkbierzeit ein „Hintertürl“ gefunden hat, die Fasterei abzumildern, sei menschlich.
Zu den Osterbräuchen gehöre das Färben der Eier. Das Ei verwandle sich durch die Weihe zum Osterei. Als solches habe es äußerlich kenntlich gemacht werden müssen. Anfangs habe man es rot eingefärbt. Anhand eines mit Rötelfarbe kontaminierten Erzbrockens konnte Schmaußer den Begriff „Rejloia“ anschaulich erklären.

Zustimmendes Kopfnicken zeigte, dass sich viele an die Zeiten erinnerten, als der Pfarrer nach Ostern zum Hausbesuch kam und die Anzahl der Beichtzettel mit der Anzahl der Familienmitglieder abglich. Mittels „Kontrollabschnitt" wurde verhindert, dass der Beichtzettel öfter verwendet werden konnte. In den Wirtshäusern habe es oft einen „schwungvollen Handel“ mit Beichtzetteln gegeben. Die „Währung“ seien oft zwei Maß Bier gewesen.

Der Redner konnte auch erklären, warum Ostern dieses Jahr so spät gefeiert wird. Ostern werde immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn gefeiert. Heuer sei dies am 11. April der Fall, drum falle Ostern auf den 16. April. Am 20. bzw. 21. März, dem Frühlingsbeginn, seien Tag und Nacht gleich lang. Die Freude der Menschen über die zunehmende Helligkeit des Tages sei verständlich, wenn man bedenke mit welch spärlichem Licht von Ölfunseln, Kienspänen und Kerzen sie während der langen Winter auskommen mussten.

Richtig munter wurden die Senioren, als Schmaußer zum Thema Mundartausdrücke kam. Selbst die Zurückhaltendsten blühten förmlich auf. Die Bezeichnungen „Glupperla“ für hölzerne Wäscheklammern, „Guggan“ für eine Tüte und „Kejn“ für Kienspan war fast allen geläufig. Dagegen wusste nur eine Person, dass mit „Glufern“ Sicherheitsnadeln gemeint sind. Der Referent hatte auch „Gaabandln“ mitgebracht, Bänder aus Hanf, mit denen man bis zum Aufkommen des Mähdreschers Garben – im Dialekt „Gaa“ – zusammenband, trocknete und zu Hause lagerte.

Dass ein Stein von den Anwesenden sowohl als „Stoa“ als auch als „Staa“ oder „Stoi“ bezeichnet wurde, war ein Beleg für die Dialektvielfalt im Landkreis.
Bilder:

Foto(s): Werner Schulz

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