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Nachricht vom 2018-01-29
Verfasser: Werner Schulz  
Kaum zu glauben, aber wahr: Hirschau war einst Faschingshochburg

1952 gab es in Hirschau den größten Faschingszug aller Zeiten. Das Foto zeigt den Elferrat mit der Prinzengarde. Vorne rechts: Prinz Hermann I. (Häckl).
Hirschau. Hirschau eine Stadt voller Faschingsmuffel? Viele Jahre hatte es den Anschein. Seit 2015 rührt sich wieder etwas in der närrischen Zeit. Kindergarde, Kinderfaschingszug, Faschings-WarmUp und GaMu-Ball heißen die zarten Faschingspflänzchen – alle mehr oder weniger initiiert von Regina Merkl, einer gebürtigen Schmidmühlenerin. Ihre Großväter und Großmütter brauchten in Sachen Fasching keine Nachhilfe aus dem Vilstal. Sie sorgten aus eigenem Antrieb dafür, dass in Hirschau im Fasching mächtig etwas los war.

Zuständig dafür war zuallererst die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die noch 1959/1960 dem „Bund Deutscher Karneval“ angehörte, wie eine von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl ausgegrabene Mitgliedskarte beweist. Die Aktivität der Narhalla schildert ein Zeitungsbericht über die Inthronisation von Prinz Josef I. von der Hirschenau und ihre Lieblichkeit Prinzessin Mariele im Jahr 1953: „Frohe Stimmung lag über dem festlich geschmückten Löwenbräusaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, als um 21 Uhr der Hofmarschall (Ali Lauber) mit seinen beiden niedlichen Pagen von der Menge jubelnd begrüßt und umgeben von seinem Ballett auf der Bühne in launigen Worten den Einzug der Tollitäten ankündigte.

Angeführt von der Kommandeuse Anni (Uschold) kam im Paradeschritt die schneidige, quicklebendige Prinzengarde und wurde jubelnd mit dem Hirschauer Faschingsruf „AHA“ begrüßt. Dann folgten das Prinzenpaar, begleitet von ihrem originellen Hofnarren (Georg Tröster) und dem sich seiner Würde vollauf bewussten Elferrat…“.

Die Hirschauer Faschingstradition – auch das förderte Sepp Strobl zutage – begann allerdings weit vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit Benedikt Herrneder gab es bereits 1925 einen Faschingsprinzen. Quellen belegen, dass dieses Amt 1939 sein späterer Schwiegersohn Richard Schertl innehatte und Herrneders Tochter Karolina seine Prinzessin war. Nach dem Krieg bemühte sich der Gewerbeverein um eine Wiederbelebung. Benedikt Herrneder sorgte dafür, dass das Faschingsleben wieder pulsierte. Er gehörte dem Elferrat der 1951 neu gegründeten Karnevalsgesellschaft Narhalla Hirschau an, ebenfalls bekannte Persönlichkeiten wie Josef Dobmeyer, Hermann Häckl und Heinrich Dorfner, im Volksmund „Café-Heiner“ genannt.

Die Präsidentschaft bestand aus den Herren Adam Ritter, Benedikt Herrneder und Andreas Amon. 1952 regierte während der Faschingszeit Prinz Hermann I. (Hermann Häckl).

Ein Aushängeschild der Narhalla waren die Gardemädchen. Sie feierten als Ballett große Erfolge. Am Faschingsdienstag sah Hirschau den größten Faschingszug seiner Geschichte. Firmen wie die Amberger Kaolinwerke und Gebrüder Dorfner waren maßgeblich am Bau der Umzugswägen beteiligt. Da waren z.B. AKW-Direktor Oskar Hallbauer, Karl Fleischmann, Sepp Birner und Rudl Kokott als Amerikaner im Jeep unterwegs. 1953 folgte Prinz Josef I. (Bäckermeister Josef Schneider) mit ihrer Lieblichkeit Mariele Rösch (spätere Ehefrau) und 1954 Paul Zinner mit Anni Uschold (ebenfalls spätere Ehefrau).

Als Gardemädchen waren von 1952 bis 1954 Hilde Würl, Rosi Sommer, Elfriede Häckl, Viktoria Heindl, Maria Heindl, Lydia Meier, Rosmarie Lehmann, Blanda Dorner, Emilie Demel, Hedwig Lippert, Luzie Rösch, Thekla Fischer, Elfriede Budewig und Gerlinde Ulbricht im Einsatz. Als Pagen fungierten die Schwestern Gertrud und Christa Schwab. Zu den großen Bällen im Löwenbräusaal fanden sich auswärtige Gardegruppen mit ihren jeweiligen Prinzenpaaren ein.

1952 war der Hirschauer Prinz Hermann I. der einzige Junggeselle unter den fünf anwesenden Prinzenpaaren. Die Vereinsstatuten gestatteten es nicht, dass seine auserwählte Prinzessin Elfriede, die aus Amberg war, mitmachen durfte.

Die Aufstellung zu den Faschingszügen erfolgte meist im AKW und auf der unteren Mühle. Von dort aus ging es durch die Innenstadt und über die Burg- und Grundstraße zurück. An den Straßenrändern drängten sich Besucher aus nah und fern.

In der Nach-Narhalla-Zeit erlebten die Faschingsbälle im Josefshaus in den 1970-er und 1980-er Jahren ihre Blütezeit. Ein Verein nach dem anderen lud dazu ein, entpuppten sich doch die Bälle als finanziell attraktiv für die Vereinskassen. Die Hirschauer gingen in Scharen Maschkerer zu den fast ausnahmslos ausverkauften Veranstaltungen.

Eine Ausnahme bildete der Kolpingsball. Er war der einzige „Schwarz-Weiß-Ball“. Hohe GEMA-Gebühren, immer teurer werdende Musikkapellen und das Nachlassen des Besuches führten dazu, dass die Vereine nach und nach die Faschingsbälle aus ihrem Programm strichen. Am 19. Februar 2007 – damals Rosenmontag – fand mit dem Sportlerball im Josefshaus der letzte von einem örtlichen Verein veranstaltete Faschingsball statt.

Es dauerte zehn Jahre bis zum 4. Februar 2017, ehe Regina Merkl die Verantwortlichen des Musikzugs überzeugte, die Balltradition mit dem GaMu-Ball neu zu beleben.
Bilder:

Foto(s): Werner Schulz

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