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Nachricht vom 2018-05-07
Verfasser: Werner Schulz  
Als Hirschauer und Schnoittenbecka beim Bittgang noch rauften

Die Hirschauer Hausmusik mit v. r. Inge Mangelberger, Luzia Dietz und Kreisheimatpflegerin Martha Pruy trug ganz wesentlich zum Gelingen des Senioren-Frühlingsfestes bei. Letztere weckte bei den Besuchern mit ihren Erzählungen und ihrem Wiederholungs-Mundartsprachkurs so manche Erinnerung an „fröiha“ – auch an die Ereignisse bei den Bittgängen der Pfarreien Hirschau und Schnaittenbach.
Hirschau. Draußen herrschte Kaiserwetter und drinnen beste Stimmung beim Senioren-Frühlingsfest der Katholischen Pfarrgemeinde. Musikalisch zeichnete dafür die Hirschauer Hausmusik mit Luzia Dietz (Zither), Inge Mangelberger (Gitarre) und Martha Pruy (Hackbrett) verantwortlich. Letztere weckte bei den Besuchern mit ihren Erzählungen und ihrem Wiederholungs-Mundartsprachkurs so manche Erinnerung an „fröiha“.

Knapp 70 Senioren, darunter eine Abordnung aus dem St. Barbara-Heim, konnte Elfi Bayer im Pfarrheim begrüßen. Ihnen stellte sie den Taschengeldbörse-Flyer des Landratsamtes vor und informierte über die Möglichkeit, dass Senioren bestimmte Aufgaben für ein kleines Entgelt von Jugendlichen erledigen lassen können. Außerdem lud sie zu den in wenigen Wochen bevorstehenden Fahrten zu den Bergfesten in der Umgebung ein. 2. Bürgermeister Josef Birner hob in seinem Grußwort die ansprechende Neugestaltung der Innenstadt hervor und lobte die Vielfalt der Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen für Senioren in Hirschau.

Die Senioren bewiesen einmal mehr ihre Sangesfreude. Begleitet vom Hausmusik-Trio stimmten sie voller Inbrunst bekannte Lieder an wie „Horch, was kommt von draußen rein“, „Wahre Freundschaft“ oder „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Genauso Anklang fanden die Instrumentalstücke der Hausmusik-Damen wie der „Nabucco-Walzer“, das „Mariandl“ oder eine Mazurka aus den Notenheften von Michl Meißner.

So mancher Zuhörer bekam eine Gänsehaut, als Kreisheimatpflegerin Martha Pruy die Sage vom „Schatz im Buchberg“ erzählte, der von einem schwarzen, Feuer und Glut speienden Pudel bewacht wurde. Nicht weniger furchterregend war die Geschichte vom „Kalten Baum“, an dem sich eine Bäuerin zu Tode drückte. Gleichermaßen lustig wie munter wurde es, als Pruy die Senioren prüfte, wie gut sie den Oberpfälzer Dialekt beherrschen. Sie zeigten sich sattelfest, wussten z.B. spontan, dass eine „Schtiezn“ eine Gießkanne ist, mit „Hoid“ das Heidekraut, mit einem „Bätzerl“ ein Lamm und mit den Bezeichnungen Biwarl, Ziwerl und Gluckerl jeweils ein Küken gemeint ist.

Zur Sprache kam u.a. auch der Brauch der „Osterausschöpfung“, bei dem die Mädchen, um noch schöner zu werden, von dem Wasser trinken, mit dem sie sich gewaschen haben. Nicht fehlen durfte die Erinnerung an das Kirwa-Brauchtum, vor allem auch daran, dass die ständigen Kirwan der Obrigkeit wegen des vielen Arbeitsausfalls ein Dorn im Auge sein mussten und daher 1870 die Allerweltskirchweih angeordnet wurde. Mit der Emanzipation war es bei den Kirwan auch nicht weit her. So durfte ein Moidl nur auf den Tanzboden, wenn ein Bursch mit ihr hineintanzte.

Und da war da noch zur Erheiterung aller die einstige kaum zu überbietende Rivalität zwischen Hirschau und Schnoittnboch. Sie machte nicht einmal vor einer zutiefst katholischen Tradition wie der Bittprozession halt. Begegneten sich die Hirschauer und Schnoittnbecka im Bereich zwischen Sarg- und Haidmühle, schwenkten die Ministranten ihre Fahnenstangen über den Köpfen der Gegenseite und versuchten die Burschen der jeweiligen Pfarrei – im günstigen Fall – durch möglichst lautes Beten die Gläubigen der anderen Seite zu übertönen und dadurch aus dem Konzept zu bringen. Nicht selten kam es sogar zu Raufereien, die von den Flügelhauben tragenden Ordensschwestern nicht verhindert werden konnten.

Wie es sich gehört, kam auch das Kulinarische nicht zu kurz. Die Gäste wurden mit Kaffee, Nusszopf, Wiener Würstchen, Semmeln und Frischgetränken bewirtet. Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann freute sich über das harmonische Miteinandersein. Es durchbreche die Alltagsroutine und öffne den Blick für das Wesentliche. Dank sagte er allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Schließlich traten die Senioren ihren Heimweg beschenkt mit einem Petunienstöckchen an.
Bilder:

Foto(s): Werner Schulz

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