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Nachricht vom 2018-09-06
Verfasser: Werner Schulz  
Dann gab es doch einen Kirwabaum

Die Hirschauer Kirwa ohne Baum? Michaela Meier (r.) ihrem Mann Markus (2.v.r.) und Opa Karl Fleischmann ging das gegen den Strich. Sie sorgten für einen Kirwabaum – ihr Prachtexemplar zählte zwar nicht zu den größten in der Region, war aber bestimmt der schlankste. Mit im Bild: PGR-Vorsitzender Laurenz Beck (l.), Chef-Organisator Christian Gnan (2.v.l.), Bürgermeister Hermann Falk ((5.v.l.), Kirwamoidl Regina Merkl (5.v.r.) und Ex-Musikzug-Chef Werner Stein (3.v.r.).
Hirschau. Dutzende Kirwan werden im Landkreis gefeiert. Überall ragen Kirwabäume in den Himmel – einer höher als der andere! Mit knapp fünf Metern zählt der Hirschauer Baum sicher nicht zu den größten. Dafür ist er der schlankste weit und breit.

Eigentlich sollte es heuer gar keinen Kirwabaum geben. So war es zumindest angekündigt, aus nachvollziehbaren Gründen. Der Schlosshof vor der Alten Mälzerei, Zentrum des Kirwageschehens und zuletzt Standort des Kirwawahrzeichens, ist derzeit Baustelle. Der Festspielverein baut eine neue Tribüne.

Kirwa ohne Baum? Michaela Meier, ihrem Mann Markus und vor allem dessen Opa Karl Fleischmann ging das gegen den Strich. Ein paar Glaserln Wein halfen am Donnerstag, zwei Tage vor dem Fest, beim Entschluss des Trios mit, einen Baum zu organisieren und mit diesem am Samstag als Überraschung auf dem Festplatz aufzumarschieren. Man hatte ja einen Ständer und einen festen, drei Meter hohen Stamm von der eigenen Garten-Kirwa. Dem musste man nur einen Gipfel verpassen. Den wiederum gab es im Garten von Markus Meiers Eltern Herbert und Christa. Letztere erklärte sich bereit, einen Kranz zu binden und den Baum zu schmücken. Alles geheime Kommandosache!

Am Freitag wurden doch weitere Personen eingeweiht. Michaela Meier: „Ich habe gesagt, wenn wir einen Baum haben, muss man den austanzen. Mit Unterstützung von Regina Merkl haben wir auf die Schnelle Kirwapaare gesucht, leider nur drei gefunden. Wegen der Musik habe ich den Höidlbrummer-Chef Dieter Kohl angerufen. Der hat gleich zugesagt.“

Kirwa-Cheforganisator Christian Gnan, Bürgermeister Hermann Falk und die anderen Gäste, die am frühen Samstagabend trotz Regenwetters zum Kirwa-Auftakt gekommen waren, machten große Augen. Da marschierte tatsächlich die Kirwabaum-Truppe mit ihrem Prachtexemplar auf einem Bollerwagen im Schlosshof auf – voran die Höidlbrummer Dieter Kohl und Michael Schanderl. Wie es sich gehört, spielte das Duo zum Baumaustanzen aus, zuerst die Sternpolka, dann einen Walzer. Bei diesem gesellten sich zu den drei vorab organisierten Kirwapaaren Christian Gnan und Melissa Bosser. Die Überraschung war mehr als geglückt, die Stimmung optimal angekurbelt.

Dass diese im beheizten Zelt bis nach Mitternacht anhielt, bewerkstelligten die zwischenzeitlich durch Saskia Krügelstein verstärkten Höidlbrummer. Das Service-Team des Festspielvereins sorgte umsichtig dafür, dass keiner der Gäste Hunger oder gar Durst leiden musste.

Sankt Petrus schien heuer mit der Hirschauer Kirwa auf Kriegsfuß zu stehen. Pünktlich zum Kirchenzug öffneten sich am Sonntagmorgen die Himmelsschleusen. Trotzdem machte sich nach drei von Pyrotechniker Roland Fritsch abgegebenen Böllerschüssen ein stattlicher Festzug zu den Klängen des Musikzugs auf den Weg in die Stadtpfarrkirche. Die Mitglieder des Festspielvereins hatten ihre edlen Biedermeiergewänder im Schrank gelassen und sich in Zivil eingereiht.

Den Festgottesdienst zelebrierte der Ehenfelder Ruhestandspfarrer Konrad Kummer, die Predigt hielt Diakon Richard Sellmeyer. Er dankte allen, die zur Gestaltung der Messfeier und zur Durchführung des weltlichen Kirwateils beitragen. Zu ihr gehörten drei „B’s“ – Beten, Bier und Bratwürste“. Sellmeyer abschließend: „Bei schönem Wetter kann jeder feiern, die Hirschauer auch bei schlechtem.“

Das zeigte anschließend der gut besuchte Weißwurst-Frühschoppen, bei dem allerdings angesichts des miesen Wetters auf die geplante Begleitung durch den Musikzug verzichtet werden musste. Am Nachmittag hatte Sankt Petrus endlich ein Einsehen. Am Himmel zeigten sich Ansätze der bayerischen Landesfarben weiß-blau und die Quecksilbersäule stieg deutlich über die 20-Grad-Marke. Prompt herrschte auf dem Festplatz reger Betrieb. Kaffee, Kuchen, Köichln und später Grillgerichte fanden reißenden Absatz.

Die vier Hirschauer Wirtshausmusikanten Franz Dolles, Uwe Herrmann, Alexander Götz und Hans Drexler avancierten mit ihrer gelungenen Mischung aus bodenständigen Instrumentalstücken sowie humorvollen und nachdenklichen Liedern zu absoluten Publikumslieblingen. Bei so viel Zuspruch spielten sie viel länger auf, was der Hirschauer Kirwa sichtlich gut tat. Überhaupt war sie trotz der nicht optimalen Wetterbedingungen ein gelungenes Fest.
Bilder:

Foto(s): Werner Schulz

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