Ehenfeld/Massenricht (Bericht von Fritz Dietl ) Die BittgÀnge sind eine bedeutende Tradition in vielen katholischen Pfarreien und zeigen die Verbindung zwischen der christlichen Liturgie und der landwirtschaftlichen Praxis.
Im 5. Jahrhundert wurde im Bistum Lyon/Frankreich wegen Erdbeben und Missernten angeordnet, an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt BuĂprozessionen, verbunden mit Fasten, abzuhalten. Um 800 wurden die drei Bitttage von Papst Leo III. auch in Rom und dem gesamten Bereich der römischen Liturgie eingefĂŒhrt, allerdings ohne vorgeschriebenes Fasten.
Ein Bittgang (auch Bittprozession oder Flurprozession) ist eine traditionelle christliche Prozession, bei der GlĂ€ubige betend durch Flur und Wald ziehen. Dabei wird um Gottes Segen fĂŒr eine gute Ernte, gedeihliches Wetter und oft auch fĂŒr Frieden oder die Bewahrung der Schöpfung gebetet.
Der Brauch der BittgÀnge ist in lÀndlichen Regionen erhalten geblieben, sie wurden aber dem heutigen Arbeits- und Lebensrhythmus angepasst und finden in den Abendstunden statt. Dabei werden Rosenkranzgebete, Litaneien und Psalmen gebetet und im Monat Mai, vor allem Marien-Lieder gesungen. Auch in der Pfarrei Ehenfeld lebt diese Tradition fort.
FrĂŒher fanden die BittgĂ€nge am frĂŒhen Morgen, meistens um 7 Uhr, statt. Dabei waren auch die Schulkinder und der Lehrer. Am Montag ging man nach GroĂschönbrunn dort wurde Gottesdienst gefeiert. Vielen Ă€lteren GlĂ€ubigen sind auch noch die anschlieĂende Einkehr in das örtliche Gasthaus und die guten BratwĂŒrste in guter Erinnerung. Am Dienstag ging es dann nach Hirschau und zurĂŒck. Entweder war das Ziel die Kapelle am Kalvarienberg, dort wurde dann eine Andacht abgehalten oder es ging bis zur Vierzehnnothelfer Kirche, wo eine Schauermesse gefeiert wurde. Letztes Ziel war am Mittwoch Massenricht. In der dortigen Ortskirche St. Josef wurde ebenfalls eine Schauermesse gefeiert. Das alte bayerische Wort âSchauerâ bezeichnete ursprĂŒnglich ja den Hagelschlag. Somit sind Schauermessen Gottesdienste, um von Gott die Abwendung von Hagelschauern oder auch anderen Unwettern zu erbitten.
Auch Ehenfeld war das Ziel mancher BittgĂ€nge. So pilgerten die GlĂ€ubigen aus Kohlberg, GroĂschönbrunn und Hirschau zur Pfarrkirche St. Michael.
Da sich die Arbeitswelt verÀndert hatte und viele GlÀubige nicht mehr in Ehenfeld arbeiteten, wurden die BittgÀnge ab 1966 am Abend abgehalten. Auch die Strecken haben sich im Lauf der Jahre immer wieder geÀndert. So war auch die Kapelle bei Kindlas das Ziel eines Bittganges.
Aktuell gelten folgende Strecken. Am Montag gehen die GlĂ€ubigen von Massenricht nach Obersteinbach zur dortigen Kapelle, wo eine Andacht abgehalten wird und pilgern dann zurĂŒck. Ende des Jahres 2003 wurden die beiden Pfarreien MariĂ€ Himmelfahrt Hirschau und St. Michael Ehenfeld eine Pfarreiengemeinschaft. Seit 2004 pilgern GlĂ€ubige von den beiden Heimatorten aus, zum Weiher an der HölzlmĂŒhle, der ungefĂ€hr in der Mitte liegt und feiern dort gemeinsam Gottesdienst. AnschlieĂend machen sie sich betend wieder auf den Heimweg. Am Mittwoch geht es dann von der Pfarrkirche aus zur Kapelle auf dem nahen Kalvarienberg und zurĂŒck. In der Pfarrkirche St. Michael wird dann ein Gottesdienst gefeiert.
Zum Abschluss dieser Bitttage wird noch ein Flurumgang abgehalten. FrĂŒher immer am Sonntag nach Christi Himmelfahrt, ging es betend rund um die Fluren des Dorfes. Im Jahr 1966 fand die Flurbereinigung hier statt. Viele Wege in und um den Ort waren nicht begehbar, darum fĂŒhrte die Flurprozession Richtung Massenricht. Die AltĂ€re wurden von der Massenrichter Jugend aufgebaut. Sie standen beim Strobl in TrĂ€glhof und beim Höchmarterl. Schon seit vielen Jahren schon wird der Flurumgang in Ehenfeld nun nach dem Gottesdienst am Pfingstmontag durchgefĂŒhrt.
FrĂŒher wurde auch in der Pfarrei Ehenfeld die alte Tradition der Markusprozession gepflegt. Sie bildete am Tag des Hl. Markus ( 25. April ) den Auftakt zu den Bittprozessionen des FrĂŒhlings und fĂŒhrte immer von Ehenfeld nach Massenricht und zurĂŒck. Die letzte Markusprozession ist datiert auf den 25. April, 1969. Mit dem Markustag beginnt die Kirche auch, den Wettersegen zu beten, der in einer Zeit des Klimawandels umso bedeutender wird.
Foto: Fritz DietlMöchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!
Für den Inhalt der Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich.


