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Nachricht vom 11.09.2026 Sonstiges

Hirschaus Innenstadt hat ein neues Schmuckstück – das renovierte „Kärgl-Haus“

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Die Hirschauer Innenstadt hat ein neues SchmuckstĂĽck – das Gebäude in der HauptstraĂźe

37. Alfred und Edith Härtl haben es 2021 erworben und von unten bis oben, von hinten bis

vorne liebe- und geschmackvoll renovieren lassen.

In Hirschau ist nur wenig bekannt, dass Mitte des 16. Jahrhunderts im Gebäude

Hauptstraße 37, dem sog. Kärgl-Haus (damals Nr. 25), mit dem Sohn des Stadtschreibers

Hans Krebser eine bedeutende Hirschauer Persönlichkeit geboren wurde: Dr. Vitus Krebser.

Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt, wohl aber, dass er in Wien, am Collegium

Germanicum in Rom und der Universität Siena studierte. Dort erfolgte seine juristische

Promotion. Am 1. Juli 1574 graduierte er zum „Doktor beider Rechte“ (Doctor iuris utriusque

– kirchliches und weltliches Recht). Fürstbischof Julius Fechter ernannte ihn 1580 zum

fürstlichen Kanzler. 1591 wurde er zum Rektor der neuen Universität Würzburg ernannt,

1592 zum Dekan des Stiftes Neumünster gewählt. Dr. Krebser verstarb am 3. Februar

1594. In seinem Testament zeigte er seine Verbundenheit zu Hirschau. Er stiftete ein

Vermögen von 1 000 Goldgulden. Dessen jährliche Zinsen ermöglichten jungen

Hirschauern das Studium an der Universität Würzburg. Seine steinerne Grabplatte (Epitaph)

befindet sich im WĂĽrzburger NeumĂĽnster.

Ein tiefer Einschnitt – Beim Großbrand 1909

brennt das Anwesen nieder

Am 29. März 1909 brannte bei einem Großbrand auch das

Kargl-Anwesen vollständig nieder. Es wurde wieder aufgebaut. Seither lebten und

arbeiteten hier Menschen von der Landwirtschaft. Wohnhaus, Kuhstall, Schweinestall,

Stadl, Heulager und ein kleiner Innenhof bildeten einen typischen kleinen Bauernhof mitten

in der Stadt. 2021 kauften Edith und Alfred Härtl das Haus. Eigentlich wollten sie es nur

renovieren und anschließend vermieten. Alfred Härtl hatte ja schon Erfahrung mit

historischen Gebäuden durch den Umbau des „Goldenen Hirsch“. Schon bei der ersten

Besichtigung war er beeindruckt von den alten Mauern, den tiefen Fensternischen und dem

Gewölbekeller. Ihm war dabei bewusst: Geschichte hat ihren Preis. In der Tat wartete hinter

jeder geöffneten Wand die nächste Überraschung. Rund 100 Tonnen Bauschutt mussten

entsorgt werden. Vier Jahre lang begleitete er die Baustelle nahezu täglich – als Bauleiter,

als Co-Architekt, Koordinator, Entscheider und oft auch als Problemlöser. Aus der geplanten

Renovierung wurde Schritt für Schritt eine vollständige Kernsanierung. „Man öffnet eine Tür

und dahinter warten gleich zehn neue Baustellen“, sagt Alfred Härtl heute lachend. „Zum

GlĂĽck weiĂź man das vorher nicht. Sonst wĂĽrde man manches Projekt wahrscheinlich gar

nicht anfangen. Es gibt Häuser, die baut man. Und es gibt Häuser, die bauen einen selbst.“

Geschichte hat eben ihren Preis. Rund 100 Tonnen Bauschutt mussten entsorgt werden.

Vier Jahre begleitete Alfred Härtl die Baustelle nahezu täglich – als Bauleiter, als Co-

Architekt, Koordinator, Entscheider, oft auch als Problemlöser. Eine alte Holztreppe verlief

mitten durch die Erdgeschosswohnung und musste aus GrĂĽnden des Brandschutzes

weichen. Der neue Hauseingang wurde auf die Straßenseite verlegt, wodurch zeitgemäße

Wohnungen entstanden. Besonders schwer fiel den Härtls der Abschied vom historischen

Parkettboden im Obergeschoss. Eigentlich sollte er nur abgeschliffen werden. FĂĽr die neue

Fußbodenheizung musste er jedoch entfernt werden. „Aber manchmal muss man sich

entscheiden, ob man Vergangenheit bewahrt oder Zukunft schafft.“ Dabei wartete eine

kleine Ăśberraschung: Unter den Dielen fanden sich gut erhaltene Ausgaben der Amberger

Volkszeitung aus dem Jahr 1965. Noch bewegender war ein kleiner Kinderschuh aus Leder,

der zwischen den alten Holzbrettern lag. Wem er einst gehörte, wird wohl für immer ein

Geheimnis bleiben. Solche unscheinbaren Funde erzählen oft mehr über das Leben

vergangener Generationen als jedes Geschichtsbuch.

Auch der Dachstuhl musste vollständig erneuert werden. Das Dach erhielt wieder eine

Eindeckung mit traditionellen Biberschwanzziegeln, der Stadl ein neues Dach. Gleichzeitig

legten die Härtls großen Wert darauf, den Charakter des Hauses zu bewahren. Neue

Holzfenster mit Sprossen, historische Fenstergesimse und das aufwändig restaurierte

Hoftor lassen die Vergangenheit bis heute sichtbar bleiben.

Im Inneren zog moderne Technik ein: neue Leitungen, eine zeitgemäße Elektroinstallation,

Fußbodenheizung und eine energetische Sanierung. Alfred Härtl war es wichtig, möglichst

heimische Handwerksbetriebe zu beauftragen. So blieb die Wertschöpfung in der Region,

gleichzeitig konnte auf die Erfahrung und Qualität der örtlichen Handwerksbetriebe gesetzt

werden. Wo frĂĽher Stallungen standen, entstand ein groĂźzĂĽgiger Innenhof. Im Haupthaus

wurden vier hochwertige Wohnungen geschaffen. Neue Balkone eröffnen den Blick bis zum

Monte Kaolino und nach Weiher. Aus dem sanierungsbedĂĽrftigen Anwesen ist wieder ein

Ort zum Leben geworden, zugleich ein StĂĽck bewahrter Hirschauer Geschichte.

„Alte Häuser geben einem unheimlich viel zurück“, resümiert Alfred Härtl. „Man braucht

Geduld, Ausdauer und manchmal starke Nerven. Aber wenn am Ende wieder Leben in

diese Mauern einzieht, weiß man, dass sich jede Stunde Arbeit gelohnt hat.“ Vielleicht ist

das das größte Geschenk alter Häuser: Sie verlangen Geduld und Ausdauer. Irgendwann

beginnen sie, sich für all die Mühe zu bedanken – mit jedem Stein, jedem Balken und den

Spuren vergangener Generationen, die ihre Geschichte auch künftig weitererzählen.

Im Jahr 2021 kauften Edith und Alfred Härtl das Anwesen in der Hauptstraße 37, in Hirschau als „Kärgl-Haus“ bekannt. Das ursprüngliche Gebäude, das Geburtshaus von Dr. Vitus Krebser, war 1909 bei einem Großbrand niedergebrannt und wurde danach neu erbaut. - Foto von Alfred HärtlFoto: Alfred Härtl
Im Jahr 2021 kauften Edith und Alfred Härtl das Anwesen in der Hauptstraße 37, in Hirschau als „Kärgl-Haus“ bekannt. Das ursprüngliche Gebäude, das Geburtshaus von Dr. Vitus Krebser, war 1909 bei einem Großbrand niedergebrannt und wurde danach neu erbaut.

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Foto: Alfred Härtl
Foto: Alfred Härtl
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