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Nachricht vom 22.10.2026 Sonstiges

Vor 100 Jahren zum Dank für heile Rückkehr aus dem Krieg erbaut – die St. Martin-Kapelle in Burgstall

Burgstall (Bericht von Werner Schulz)  Der Ortschaft Burgstall steht ein kleiner Festtag ins Haus. Am Samstag, 24. Oktober, feiern die Dorfbewohner den 100. Weihetag ihrer Dorfkapelle St. Martin mit einem Gottesdienst und einem gemütlichen Beisammensein im Gemeinschaftshaus.

Laut mündlicher Überlieferung versprachen die zum 1. Weltkrieg einberufenen Burgstaller das Erbauen einer Kapelle, wenn sie heil aus diesem zurückkehren. Zwar war der Tod eines Kameraden - Karl Riß - zu beklagen, aber die Kriegsheimkehrer lösten ihr Versprechen ein. Am 21. Juli 1924 fassten acht Burgstaller den förmlichen Beschluss zum Kapellenbau. Der Standort war zunächst umstritten. Ein Teil der Bewohner war für den Platz beim Hüthaus, der andere für einen am nördlichen Ortsausgang. Man entschied sich für die zweite Örtlichkeit, zumal Johann Stauber den Grund kostenlos zur Verfügung stellte. Den von Georg Hammer jun. gefertigten Bauplan genehmigte das Bezirksamt Amberg am 11. Oktober 1924. Der Baubeginn wurde am 3. Februar 1925 gemeldet, als Bauherr Johann Stauber genannt, als Bauleiter Baumeister Rumpler (Gebenbach). Für den Bau wurden 43 Fuhren bearbeiteter Sandsteinbrocken aus dem Steinbruch in Seugast geholt. Das Holz für den Dachstuhl spendeten der Bauherr und Bauern aus umliegenden Dörfern. Kirchenmaler Weber (Amberg) bemalte den von Schreiner Bogner (Gebenbach) gefertigten Holzaltar. Den Turm verkleidete Spengler Schwemmer (Schnaittenbach) mit verzinktem Eisenblech. Er besorgte auch die Turmspitze. Der Boden wurde mit halbgeschliffenen Sollnhofer Platten belegt. Sämtliche Baukosten trugen die Burgstaller. Das Landbauamt bestätigte am 7. September 1926 die ordnungsgemäße Bauausführung. Der Fußboden war noch zu pflastern, der Altar und die Betstühle noch anzubringen. Die Benediktion der St. Martins-Kapelle erfolgte am 24. Oktober 1926. Die Weihevollmacht wurde dem Gebenbacher Pfarrer Johann Mühlbauer (bzw. seinem Stellvertreter) erteilt. Wer die Weihe letztlich gespendet hat, konnte nach Mitteilung des Bistums nicht eruiert werden, „höchstwahrscheinlich Pfarrer Müllbauer“. Auf der in der in Regensburg hergestellten, 140 Pfund schweren und 255 Goldmark teuren Glocke ist der Name des Stifters Johann Stauber mit der Jahreszahl 1924 angebracht.

Schlimm erwischte es das ganze Dorf am 4. Juli 1929, als ein verheerendes Unwetter über Burgstall hereinbrach. Hühnereigroße Hagelkörner zerstörten alle Dächer, auch das der Kapelle. Es ist überliefert, dass Tage später der Güterzug auf Höhe der Steinmauer extra anhielt, damit die Burgstaller die für die Dachreparaturen benötigten Dachziegel abholen konnten. Die Burgstaller beteiligen seither jedes Jahr am 4. Juli an der Gedenkprozession der Pfarrei Gebenbach zur Mausbergkirche.

Von 1959 bis 1972 wurden kleinere Reparaturen wie das Einblechen des Turms, ein neuer Außenanstrich, das Ausbessern der Fensterverglasung, die Strom-Installation, die Erneuerung der Tür und des Innenanstrichs und das Ausbessern des Bodes durchgeführt.

1979 wurde für 4 000 Euro ein elektrisches Läutwerk installiert. 1991 wurden die Kreuzweg-Bilddarstellungen durch in Kunstharz gegossene ersetzt, 1993 die Dachrinne und der Außenanstrich erneuert. 1995 brachten die Ortsbewohner 476 Stunden Eigenleistung in die Innenrenovierung ein. Der Innenputz wurde erneuert, der Boden mit Juramarmor belegt, neue Bänke, Leuchten und zwei Elektroheizkörper angeschafft. Kirchenmaler Neger bemalte den Altar, das Kreuz und die Herz-Maria-Figur. In das Mauerwerk wurde eine in Bronze gegossene Gedenktafel der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege eingelassen. Seit 1997 schmücken geschnitzte Figuren der Hl. Barbara und des Hl. Christopherus das Kirchlein.

Für 2006 war außer der Erneuerung der Dachziegel und der Neueinblechung des Turms keine größere Sanierung angedacht. Doch stellte sich im Dachstuhl und in der Balkendecke ein starker Holzwurmbefall heraus. Weil man den Dachstuhl und das Deckengebälk auswechseln musste, war auch die Innendecke nicht zu erhalten. Da die Kapelle unter Denkmalschutz steht, musste man den Originalzustand wieder herstellen. Die Stadt Hirschau, Eigentümerin der Kapelle, beteiligte sich mit 30 000 Euro an den Kosten. Das Bauholz spendierte die Pfarrei Gebenbach. Die Dorfbewohner brachten rund 500 Stunden als Eigenleistung ein. Am Kirwa-Sonntag 2007 weihte Pfarrer Dr. Josef Madatiparampil die Kapelle wieder ein. Dabei nannte der damalige Ortssprecher Hans Scharl die Kapelle „den nicht wegzudenkenden Mittelpunkt des Dorflebens“. In der Tat versammeln sich dort die Burgstaller regelmäßig zu Andachten, Kreuzwegen und Rosenkränzen und an der Kirwa zum Festgottesdienst. Um den Schmuck der Kapelle kümmerte sich mit viel Liebe gute 25 Jahre Brunhilde Stauber. Heuer hat die Aufgabe Birgit Stauber übernommen. Sie bringt das Kirchlein zum Jubiläum sicher auf Hochglanz.

Die Burgstaller feiern den 100. Geburtstag ihrer St. Martin-Kapelle auf den Tag genau am Samstag, 24. Oktober, selbstverständlich mit einem Gottesdienst. Zelebriert wird die hl. Messe vom Gebenbacher Pfarrvikar Christian Preitschaft. Rita Dotzler begleitet die Gottesdienstbesucher bei den Gesängen mit ihrer Gitarre. Anschließend trifft sich die Dorfbevölkerung zur weltlichen Feier im Gemeinschaftshaus, wo einige Dorffrauen unter der Regie von Julia Matthies kulinarische Köstlichkeiten vorbereitet haben.

Einer der Kriegsheimkehrer, die das Versprechen einlösten, war Johann Stauber. Er stellte auch den Grund für die Kapelle zur Verfügung und fungierte als Bauherr. Auf der Glocke der Kapelle ist sein Name mit der Jahreszahl 1924 angebracht. - Foto von Birgit Stauber (Archiv)Foto: Birgit Stauber (Archiv)
Einer der Kriegsheimkehrer, die das Versprechen einlösten, war Johann Stauber. Er stellte auch den Grund für die Kapelle zur Verfügung und fungierte als Bauherr. Auf der Glocke der Kapelle ist sein Name mit der Jahreszahl 1924 angebracht.

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