Hirschau (Bericht von Werner Schulz) In Hirschaus Kultur- und Musikszene ist sie ein Qualitätsbegriff - die Hirschauer Hausmusik. So nennt sich das Damen-Quartett Martha Pruy, Luzia Dietz, Inge Mangelberger und Gabi Meindl.
Gäbe es die Corona-Pandemie nicht, dann wären die vier Musikerinnen gerade in der Vorweihnachtszeit so gut wie ausgebucht. Seit Jahren waren sie für die musikalische Umrahmung der Jahresabschlussfeier des Hirschauer Stadtrats ebenso gefragt wie für die Mitwirkung beim Hirschauer Adventsingen in der Stadtpfarrkirche. Doch dieses Jahr ist alles anders – und dies nicht erst seit Beginn der Adventszeit.
Begonnen hatte alles 1985 mit der Weihnachtsfeier der TuS-Dienstagsturnerinnen. Übungsleiterin Doris Weih suchte für deren Gestaltung in den Reihen ihrer Damenriege nach musikalisch bewanderten Sportlerinnen. Sie wurde fündig: Mit Martha Pruy, Luzia Dietz, Annegret Holzer, Inge Mangelberger und Gabi Meindl erklärten sich fünf Turnerinnen bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Damit schlug die Geburtsstunde der Hirschauer Hausmusik! Martha Pruy (Hackbrett), Luzia Dietz und Annegret Holzer (beide Zither), Inge Mangelberger (Gitarre) und Gabi Meindl (verschiedene Flöten) machten sich eifrig ans Üben und erfüllten ihren ersten Auftrag ausgezeichnet. Mit dem Üben und der erfolgreichen Premiere wuchs bei ihnen der Wunsch, die musikalische Zusammenarbeit fortzusetzen. Dabei beschränkte man sich bei der Wahl des Repertoires nicht auf Volksmelodien und Kompositionen aus einem abgeschlossen Kulturkreis. Von Anfang an war man offen für Lieder und Tänze aus der Musikwelt fremder Länder.
Schon sehr bald hatte sich die Gruppe in Hirschau einen exzellenten Ruf erworben. Das Quintett wurde von vielen Vereinen und Institutionen zur Umrahmung bzw. Gestaltung ihrer Feierlichkeiten eingeladen. Man war bei Jubiläen oder Hochzeiten genauso gefragt wie bei Klassentreffen. Bei der Schloosmusi durfte die Hausmusik genauso wenig fehlen wie bei den Serenaden im Schlosshof, beim Adventssingen in Hirschau und Schnaittenbach, im Amberger Stadttheater oder in der Mariahilfberg-Kirche. Man vertrat Hirschau bei OTV-Fernsehaufnahmen und lieferte den Hirschauer Beitrag für die Landkreis-CD-2010. 2002 führte man als erste Gruppe in der Region eine Raunacht im Nagler-Anwesen in Schnaittenbach durch.
Es folgten derartige Veranstaltungen in Krickelsdorf und Rieden, zuletzt in Theuern. Ein durchschlagender Erfolg war die Veranstaltung “Für alles is a Kraut gwachsn” mit Musik und Märchen rund um Rosen und andere mystischen Pflanzen und Bäume im Rosengarten des Landratsamtes, im Kräutergarten oder im Innenhof der Tavernwirtschaft in Schnaittenbach. Auch das Programm „Kuraschierte Weiber und andere Frauenzimmer” wurde ein Erfolg und außer in Hirschau und Schnaittenbach im Wunderhof in Frechenfeld aufgeführt. Gemeinsam mit dortigen Musikgruppen trat man in Franken in Henfenfeld, Vorra und Altensittenbach auf. Die Hausmusik umrahmte die Lesungen namhafter Autoren wie z.B. Margret Hölle (München), Barbara Krohn (Regensburg) oder Friedrich Brandl (Amberg). Auch Günter Mosers Buchpräsentation über das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen wurde von der Hirschauer Hausmusik musikalisch gestaltet.
Als besonderes Erlebnis ist den Musikerinnen ihr Auftritt bei der Aktion „Amberg leuchtet” im Rosengarten des Landratsamtes im Gedächtnis. Musikalische Beiträge zu Mundartveranstaltungen in Hirschau und Hirschbach zählen gleichfalls zu den herausragenden Veranstaltungen, die man in den zurückliegenden 35 Jahren bestritten hat. Bei den Mundarttagen in Michelfeld und Freudenberg fehlte das Quartett ebenso wenig wie beim OTV-Musikantenstammtisch in der Buchberghütte oder beim „Dousamma“ in Schnaittenbach (2012), Ursensollen (2014) und Hirschau (2017). Herausragende Ereignisse der letzten Jahre waren die Auftritte beim Oberpfalztag in München im November 2017 und beim Passionssingen in Luhe 2018.
Die Gruppe verband ihre musikalischen Aktivitäten von Beginn an mit großem sozialem Engagement. Sie machte es sich zur Aufgabe, wann immer möglich mit den Auftritten Geld einzuspielen, um mit diesem hilfsbedürftige Menschen, insbesondere Kinder zu unterstützen. Noch im Gründungsjahr wurden die Gagen an die Selbsthilfegruppe Krebskranker Kinder übergeben, die zwischenzeitlich mehrmals mit Spenden bedacht wurde. In den Folgejahren wurden die Knochenmarktypisierungen mit Geldspenden unterstützt, ebenso die Aktion Pomoc, die Stiftung PREDA auf den Philippinen, die notleidende Kinder unterstützt, die Aktion „Deutschland Hilft“, die „Aktion Basti“, die Caritas-Sozialstation und die vom Hirschauer Augenarzt Prof. Dr. Dieter Dausch geleitete Hilfsorganisation Africa Luz. Sie stand im Mittelpunkt des 25-jährigen Bestehens, das im Oktober 2010 im voll besetzten Josefshaus gefeiert wurde. Anlässlich des Jubiläums hatte die Hausmusik eine CD produziert. Den Verkaufserlös spendete man für Africa Luz.
Als der Stadtrat 1996 die Hirschauer Hausmusik mit dem Kulturpreis der Stadt auszeichnete, würdigte er damit nicht nur das ausgezeichnete musikalische, sondern gleichzeitig auch das soziale Engagement von Martha Pruy, Inge Mangelberger, Gabi Meindl und Luzia Dietz.
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