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Nachricht vom 17.12.2021 Sonstiges

Nach Hirschaus erstem Nachkriegs-B├╝rgermeister benannt Stra├če

B├╝rgermeister-Amann-Stra├če

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Im Stadtgebiet tragen drei Stra├čen den Namen eines ehemaligen B├╝rgermeisters ÔÇô eine ist die ÔÇ×B├╝rgermeister-Amann-Stra├čeÔÇť. Mit der Benennung w├╝rdigte der Stadtrat die Arbeit des ersten Nachkriegsb├╝rgermeisters Matthias Amann.

Matthias Amann und sein politisches Engagement

Am 22. April 1945 r├╝ckten amerikanische Truppen in die Stadt ein. Die Milit├Ąrregierung setzte den seit 1933 amtierenden NSDAP-B├╝rgermeister Dr. Thoma ab und ernannte den S├Ągewerksbesitzer Matthias Amann zum Stadtoberhaupt. Landrat Dr. Winkler schreibt am 19. Juli 1945: ÔÇ×Im Einvernehmen mit der Milit├Ąrregierung Amberg ernenne ich Sie hiermit zum B├╝rgermeister der Gemeinde Hirschau. Sie wollen die Amtsgesch├Ąfte unverz├╝glich ├╝bernehmen und mir hier├╝ber Meldung erstatten.ÔÇť Am 3. August teilte Amann dem Landrat mit, dass er die Amtsgesch├Ąfte am 23. Juli ├╝bernommen hat. Als sein Stellvertreter wurde Schneidermeister Anselm Freimuth eingesetzt. Amann (SPD) wie Freimuth (BVP) hatten 1933 ihr Stadtratsmandat auf Druck der Nazis niederlegen m├╝ssen. Beide wurden wegen ihrer offenen Kritik an der NSDAP und am F├╝hrer in ÔÇ×SchutzhaftÔÇť genommen. Amann wurde am 26. Juni 1933 in die Frohnfeste nach Amberg verbracht, Freimuth am 28. Juni.

Im Juni 1919 schlug die Geburtsstunde der Hirschauer SPD. In der K├╝che der Gastwirtschaft ÔÇ×NoglschmiedÔÇť (damals Hausner, sp├Ąter Grasser) hoben 14 Genossen den Ortsverein aus der Taufe ÔÇô unter ihnen Matthias Amann. Er wurde zum Kassier gew├Ąhlt. Bei den Gemeinde- und Bezirkstagswahlen am 15. Juni 1919 konnte die SPD mit Matthias Amann und Georg Lederer zwei Mitglieder in den Bezirkstag (heute Kreistag) entsenden, sechs in den Stadtrat, darunter Amann. Er geh├Ârte dem Gremium bis zu seinem von den Nazis erzwungenen Abschied im Juni 1933 an. In seiner Stadtratszeit war er viele Jahre 2. B├╝rgermeister. Als solcher war er Mitglied der Wohnungskommission. Sie sollte ab 1921 durch Beschlagnahme von Wohnungen und Einweisung von Bed├╝rftigen die Wohnungsnot der Arbeiter lindern. 1929 scheint die NSDAP in der Hirschauer Gendarmerie Anh├Ąnger gehabt zu haben. Sie berichtet am 25. August nach Amberg, Hirschaus Bev├Âlkerung sei ├╝berwiegend sozialistisch eingestellt, ein Teil radikal kommunistisch. ÔÇ×Als F├╝hrer der Sozialdemokratischen Partei kann der 2. B├╝rgermeister Matthias Amann, G├╝tler und Holzh├Ąndler, angesehen werden.ÔÇť Bei den Wahlen im Dezember 1929 kandidierte Amann f├╝r das Amt des 1. B├╝rgermeisters. Die Wahl gewann der seit 1919 amtierende Ernst Ri├č (BVP). Er wurde 1933 von den Nazis abgesetzt. Er blieb weiter in ihrem Visier. Enkel Herbert Amann berichtet, dass in den letzten Kriegstagen zweimal die SS vorgefahren sei. Sein Opa sei aber gewarnt worden und habe sich bis Kriegsende einige Tage im Dienhofer Wald versteckt.

Das Ende der Nazi-Diktatur und die ├ťbernahme des B├╝rgermeisteramtes bedeuteten f├╝r Amann den Neubeginn seiner politischen Arbeit. Im Oktober 1945 trafen sich altbew├Ąhrte Sozialdemokraten mit dem Ziel der Wiedergr├╝ndung des SPD-Ortsvereins. Sie erfolgte am 9. Januar 1946 im Nebenzimmer des Ertlsaals (sp├Ąter Josefshaus). An der Spitze der Wiedergr├╝nder stand 1. B├╝rgermeister Amann. Die Milit├Ąrregierung setzte f├╝r den 27. Januar 1946 ÔÇ×GemeindewahlenÔÇť an. In Hirschau gingen von 1410 Stimmberechtigten 1263 zur Wahl. Auf die CSE (so hie├č damals die CSU) entfielen 676 Stimmen, auf die SPD 509 und auf die KPD 65. Die SPD erhielt 5 Stadtratssitze, die CSE 6. Damals wurde in Gemeinden mit ├╝ber 3 000 Einwohnern der B├╝rgermeister vom Stadtrat gew├Ąhlt. Die Wahl erfolgte bei der konstituierenden Sitzung am 7. Februar 1946. Angesichts der Mehrheitsverh├Ąltnisse w├Ąre die Wahl eines CSE-Mannes zum 1. B├╝rgermeister logisch und selbstverst├Ąndlich gewesen. Aber - Matthias Amann wurde einstimmig gew├Ąhlt. Zu seinem Stellvertreter wurde ebenso einstimmig Anselm Freimuth (CSE) gew├Ąhlt. Eine musterg├╝ltige gro├če Koalition! Eine solche gab es auch 50 Jahre sp├Ąter bei der Stadtratssitzung am 29. Februar 1996. CSU und SPD stellten den gemeinsamen Antrag, eine der Stra├čen im Baugebiet ÔÇ×HeidenauÔÇť nach B├╝rgermeister Amann zu benennen. Alle CSU- und SPD-Stadtr├Ąte stimmten daf├╝r. Die Namensgebung wurde bei 2 Gegenstimmen beschlossen.

Als Amann im Juli 1945 das Amt ├╝bernahm, war er vom ersten Tag an mit ungeheuren Problemen konfrontiert, zu deren L├Âsung ihm nur einige Verwaltungskr├Ąfte zur Verf├╝gung standen. Die heimische Wirtschaft war zusammengebrochen. Hirschaus Einwohnerzahl war innerhalb eines guten Jahres durch die gro├če Zahl Heimatvertriebener aus Schlesien und dem Sudetenland von ca. 3 100 auf knapp 4 000 angestiegen. F├╝r sie musste Wohnraum zur Verf├╝gung gestellt werden. Zeitzeugen bewerten sein Wirken: Er war gerecht, gab jedem das, was ihm zustand.

Matthias Amann und sein Arbeitsleben

Im Schuljahr 1960/61 wurde Amann von den Achtkl├Ąsslern Rudi Wild (heute SPD-Stadtrat) und Rudi Burger zum Thema ÔÇ×Hirschau hatte einmal eine GasversorgungÔÇť interviewt. Demnach erhielt die Stadt in den Jahren 1903 bis 1905 eine Gasversorgung. Das Geb├Ąude wurde ÔÇ×in der Weggabelung Bahnhofstra├če ÔÇô Grundstra├čeÔÇť errichtet. Der Gaskessel stand auf der S├╝dseite des Baues. Er hatte die Form eines Zylinders und fasste 30 m┬│ Gas. Matthias Amann war von der Stadt beauftragt, das Gaswerk zu bedienen. Er bekam daf├╝r monatlich 48 Goldmark. Er bereitete das Acetylengas. Aus einem Kilogramm Karbid musste er 300 Liter Gas gewinnen. Bei Einbruch der Dunkelheit ging er mit einer langen Stange, an der ein Bunsenbrenner steckte, durch die Stadt. Aus ihm zischte und rauchte eine blaue Flamme. Amann hielt bei jeder Laterne, drehte mit einem Haken den Gashahn auf und flammte das Leuchtgas an. Weil die Stadt sparsam und der Verkehr damals noch gering war in der Nacht, wurden die Lampen um 11 Uhr nachts gel├Âscht. Um 1919 musste das Gaslicht dem elektrischen weichen.

Sein S├Ągewerk kaufte Matthias Amann in den 1930er Jahren und betrieb es zusammen mit Hermann Wittmann bis Anfang er es Anfang der 1960er Jahre an seinen Sohn Lorenz ├╝bergab. Im Betrieb, zu dem auch eine Landwirtschaft geh├Ârte, waren w├Ąhrend des Krieges neben sechs bis sieben Einheimischen auch Kriegsgefangene u.a. aus Wei├črussland besch├Ąftigt. Enkel Herbert Amann wei├č zu berichten, dass z. B. ein wei├črussischer Arbeiter bis zum Tod seines Opas Kontakt zu diesem hielt, ihn auch mit seiner Familie besuchte. Bei einem Ausflug zum Monte Kaolino habe er erz├Ąhlt, dass er von den Amanns wie ein Familienmitglied behandelt und verpflegt worden sei.

Enkel Herbert erinnert sich noch sehr gut daran, dass ÔÇ×die schlechte Zeit bei seinem Opa ├ängste hinterlassenÔÇť hat. So hatte er stets Konserven (Erbsen, Karotten, Rindfleisch) vorr├Ątig. Besonders viel hatte er 1968 w├Ąhrend des ÔÇ×Prager Fr├╝hlingsÔÇť eingekauft. Herbert Amann: ÔÇ×Ich h├Âre ihn heute noch sagen: ÔÇ×Der Russe ist in einer ┬ż Stunde hier.ÔÇť Herbert Amann erinnert sich zudem daran, dass sein Opa ein gro├čer Opern- und Operettenliebhaber war. ÔÇ×Nur Wagner mochte er ÔÇô aus bekannten Gr├╝nden ÔÇô nicht!

Daten zu Matthias Amann:

Geboren: 26. Mai 1885 ÔÇô gestorben: 24. November 1970

Verheiratet mit Maria, geb. H├Ąckl aus Schnaittenbach

Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor: Maria, Karl, Margarete, Barbara, Rosamunde und Lorenz.

Bei der Stadtratssitzung am 29. Februar 1996 stimmten CSU und SPD geschlossen ihrem gemeinsamen Antrag zu, eine der Stra├čen in der ÔÇ×HeidenauÔÇť nach B├╝rgermeister Amann zu benennen. Der Antrag wurde bei 2 Gegenstimmen beschlossen. Im Bild v. l.: Stadtheimatpfleger Sepp Strobl, Enkel G├╝nther Amann (SPD-Ortsvors., Stadtrat seit 1984, 2. B├╝rgermeister 2002 bis 2008, Kreisrat 1984 bis 1990 und 2010 bis 2014), Enkel Herbert Amann und B├╝rgermeister Hermann Falk - Foto von Fotos/Repros:Archiv (u)Foto: Fotos/Repros:Archiv (u)
Bei der Stadtratssitzung am 29. Februar 1996 stimmten CSU und SPD geschlossen ihrem gemeinsamen Antrag zu, eine der Stra├čen in der ÔÇ×HeidenauÔÇť nach B├╝rgermeister Amann zu benennen. Der Antrag wurde bei 2 Gegenstimmen beschlossen. Im Bild v. l.: Stadtheimatpfleger Sepp Strobl, Enkel G├╝nther Amann (SPD-Ortsvors., Stadtrat seit 1984, 2. B├╝rgermeister 2002 bis 2008, Kreisrat 1984 bis 1990 und 2010 bis 2014), Enkel Herbert Amann und B├╝rgermeister Hermann Falk

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Foto: Fotos/Repros:Archiv (u)
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