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Nachricht vom 16.12.2022 Rathaus

Zeitverzug bei Schulsanierung kostet Millionen

Schwerwiegendste Entscheidung der letzten Jahre

Hirschau (Bericht von Gerhard Fleischmann)  Die Thematik ‚ÄěSchulsanierung‚Äú beherrschte, besser gesagt √ľberschattete die letzte Stadtratssitzung. Drei Stunden wogte die engagierte Diskussion hin und her, ein Ausweg aus der Zwickm√ľhle, zwischen der von allen R√§ten gesehenen Notwendigkeit und dem gesch√§tzten massiven Kostenanstieg von 11,5 auf 15,8 Millionen Euro in den letzten beiden Jahren und massiven neuen Schulden scheint nicht in Sicht.

Seitens der BSS Architekten, N√ľrnberg erl√§uterten Rainer St√∂cker und Michael Lang die aktuelle Sachlage. Die Planung ziehe sich nun seit 2017, musste durch den Verzicht auf die L√ľftung, neu aufgestellt werden, was enormen Zeitverlust mit sich brachte. Ausgerechnet in den letzten beiden Jahren stiegen die Baupreise um 30 Prozent. Das hat jetzt massive Auswirkungen. Man hoffe, dass sich der Anstieg des Preisniveaus am Bau wieder beruhige, billiger werde es aber sicher nicht werden, so die Architekten. Die Planung sei optimiert worden, man habe auch Kosten eingespart, allerdings sei auch die Ausstattungs- und Bauqualit√§t zur√ľckgenommen worden. Das Thema L√ľftung sollte ebenso wie die Fassadenqualit√§t und die Bodenbel√§ge noch einmal diskutiert werden. Eine L√ľftung sei bei modernen Bauten derzeit Standard. Die Sanierung ist notwendig wegen der teils maroden Bausubstanz, den Anforderungen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit. Die moderne P√§dagogik erfordere zudem weitere Fach- und Gruppenr√§ume.

Die Notwendigkeit zur Sanierung untermauerten auch die Schilderungen zum derzeitigen Zustand der Schule durch Schulleiterin Birgit H√§rtl und Konrektor Lothar Tripke. Derzeit besuchten 160 Kinder in 9 Klassen die Grund- und Mittelschule, Arbeitsgruppen tr√§fen sich zum Teil auf den G√§ngen, da R√§ume fehlten. Die H√∂chstsch√ľlerzahl lag mal bei 800, das sei aber schon lange her, war zu h√∂ren.

Letztlich musste der Stadtrat zur Kenntnis nehmen, dass der zuletzt zweij√§hrige Stillstand und die Umplanung seitens der Kosten sich deutlich negativ auswirkte, statt Einsparungen zu bringen. Exemplarisch dazu das Thema L√ľftung: Die Einsparungen durch den Wegfall wurden mit 400000 Euro beziffert, w√ľrde jetzt doch eine dezentrale L√ľftung eingebaut l√§gen die Kosten wohl bei 730.000 Euro. Ein Umschwenken auf einen kosteng√ľnstigeren Neubau w√ľrde erneut Jahre Zeitverlust verursachen, ein neues Vergabeverfahren erfordern und wohl wegen der Teuerung bei √§hnlichen Kosten wie derzeit kalkuliert enden. Zudem vervielfachte sich das Zinsniveau, was die Aufnahme neuer Schulden massiv verteuere.

Josef Birner (SPD) sah keine M√∂glichkeit das Projekt derzeit zu finanzieren. 2018 sei man von einer m√∂glichen staatlichen F√∂rderquote von bis zu 70 Prozent ausgegangen, derzeit liege diese bei ern√ľchternden 29,48 Prozent f√ľr das gesamte Projekt. Das erm√∂gliche der Stadt auf Jahre keine weiteren Investitionen. Hirschau werde handlungsunf√§hig bei massiv ansteigenden Schuldenstand. Wir ruinieren die Stadt, er k√∂nne nicht zustimmen, zumal auch nicht sicher sei, wie sich die Gewerbesteuer entwickle.

K√§mmerer Claus Hellbach prognostizierte einen Anstieg des Schuldenstands von derzeit 8,5 auf gesch√§tzte bis zu 23 Millionen Euro 2025, wenn alle geplanten Ma√ünahmen umgesetzt w√ľrden. Ob dann, bei dem gestiegenen Zinsniveau der Schuldendienst √ľberhaupt noch erbracht werden k√∂nnte, sei √§u√üerst fraglich. Zur Schule gebe es F√∂rderzusagen von 4 Mio Euro, das seien 49 Prozent der f√∂rderf√§higen Kosten, nicht f√∂rderf√§hige Anteile m√ľsse die Stadt schultern, was die Quote senke. Vorstellbar sei eventuell, die Finanzierung in eine st√§dtische Gesellschaft, die es ja f√ľr den Freizeitpark schon g√§be, auszugliedern, was Vorteile bringen k√∂nnte. Das soll gepr√ľft werden war man einig.

G√ľnther Amann warf ein, man k√∂nne doch in dieser Situation nicht spontan √ľber knapp 16 Mio Euro entscheiden, schlug eine Denkpause von ein paar Monaten mit intensiven Gespr√§chen unter den Fraktionen vor. Wolfgang Bosser forderte die Suche nach einer g√ľnstigeren Alternative, auch Peter Leitsoni sah diese Kosten derzeit als nicht finanzierbar an. Die CSU sah keine Alternative, weiteres Zuwarten w√ľrde wohl eher schaden.

1.B√ľrgermeister Hermann Falk meinte, trotz der verzwickten Situation m√ľsse man sich wohl trauen. Christian Gnan konnte sich eine letzte kurze Denkpause vorstellen. Auch die M√∂glichkeit sich an die zust√§ndigen Abgeordneten zu wenden wurde angesprochen.

Johanna Erras-Dorner stellte dann den Antrag auf Schluss der Debatte was die Mehrheit bef√ľrwortete. Abschlie√üend auch vor dem Hintergrund, dass es wohl auch in wenigen Monaten keine neuen Erkenntnisse geben werde, brachte der Stadtrat den Schulhausumbau mit 13:6 Stimmen auf den Weg, wohl wissend um das Dilemma, wie Christian Feja es zuvor ausgedr√ľckt hatte. Die SPD-Fraktion stellte noch fest, sie sei nicht gegen das Projekt an sich, aber die Finanzierung nicht gesichert sehe.

So soll die renovierte Schule einmal von S√ľden her gesehen ausschauen. - Foto von Gerhard FleischmannFoto: Gerhard Fleischmann
So soll die renovierte Schule einmal von S√ľden her gesehen ausschauen.

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