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Nachricht vom 11.01.2023 Politik

Geschichte des CSU-Ortsverbandes eine Erfolgsgeschichte

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Am 7. Januar 1946 gegrĂŒndet feierte der CSU-Ortsverband beim 37. DreikönigsfrĂŒhschoppen im Katholischen Pfarrheim Geburtstag. Werner Schulz, Ehrenvorsitzender des Kreis- und Ortsverbandes, ließ die Erfolgsgeschichte Revue passieren.

Der Corona-Pandemie sei es geschuldet, so der stellv. Ortsvorsitzende Martin Merkl einleitend, dass man den 75. Geburtstag mit zweijĂ€hriger VerspĂ€tung feiere. Sein Willkommen galt einer Reihe von EhrengĂ€sten, darunter die BĂŒrgermeister Hermann Falk (Hirschau) und Marcus EichenmĂŒller (Schnaittenbach) sowie der CSU-Kreisvorsitzende MdL Harald Schwartz. Er nutzte sein Grußwort nicht nur zur Gratulation zum JubilĂ€um. Mit Blick auf die Silvesterkrawalle in Berlin mit 56 verletzten EinsatzkrĂ€ften ĂŒbte er scharfe Kritik an der rot-rot-grĂŒnen Stadtregierung und ihrer Integrationspolitik. Derartige Gewaltexzesse seien im CSU-regierten Bayern nicht denkbar, auch nicht in der Hauptstadt MĂŒnchen. Dies, obwohl in MĂŒnchen 45,1 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund haben, in Berlin „nur“ 36,6 Prozent.

Die 45-minĂŒtige RĂŒckschau von Werner Schulz geriet zu einer geschichtlichen, mit viel Beifall bedachten Lehrstunde. Besonders intensiv widmete er sich der GrĂŒnderzeit. Er rief ins GedĂ€chtnis, dass die Amerikaner am 22. April 1945 mit Panzern nach Hirschau eingerĂŒckt waren. Der seit 1933 amtierende BĂŒrgermeister Dr. Thoma wurde seines Amtes enthoben. An seiner Stelle wurde der Sozialdemokrat Mathias Amann eingesetzt, zu seinem Stellvertreter Anselm Freimuth ernannt. Er hatte seit 1924 als BVP-Mitglied dem Stadtrat angehört, bis er sein Mandat auf Druck der Nazis 1933 „freiwillig” niederlegen musste. Wegen abfĂ€lliger Äußerungen ĂŒber die NSDAP und den FĂŒhrer wurde er fĂŒr einige Tage in der Fronfeste in Amberg inhaftiert, danach unter Hausarrest gestellt. Der von den Amis eingesetzte Landrat Dr. Winkler ĂŒberzeugte Freimuth, die GrĂŒndung einer neuen Partei zu wagen. Letztlich veranlassten ihn die fĂŒr den 27. Januar anberaumten Gemeindewahlen dazu, am 7. Januar 1946 zur GrĂŒndung der „Christlich-Sozialen Einheit” (CSE) in den Fahnensaal des Kommunbrauhauses einzuladen. Die 47 anwesenden MĂ€nner sprachen sich einmĂŒtig dafĂŒr aus. Eine Mitgliederaufnahme oder Vorstandswahl fand nicht statt. Zentrales Thema war die Aufstellung einer 16-köpfigen Stadtratsliste. Diese firmierte auf den Wahlunterlagen als „Christlich-Soziale Einigkeit“. Die Wahl verlief erfolgreich. Mit Johann Brumbach, Heinrich Dobmeyer, Michael Fleischmann, Anselm Freimuth, Wilhelm Schorner und Hans Leistl zogen 6 „CSE’ler” in den elfköpfigen Stadtrat ein. Die SPD errang 5 Sitze, die KPD ging leer aus.

Da damals der Stadtrat den BĂŒrgermeister wĂ€hlte, hĂ€tte die „CSE” dieses Amt besetzen können. Freimuth verzichtete. Amann wurde ebenso einstimmig zum 1. BĂŒrgermeister gewĂ€hlt wie Freimuth zu seinem Stellvertreter. FĂŒr die BĂŒrgermeister rĂŒckte aus der jeweiligen Liste der erste Ersatzmann nach. Bei der „CSE” war dies Franz Gebhard. Am 4. MĂ€rz 1946 wurde die Vorstandswahl nachgeholt. Der Wahlerfolg hatte nicht die erhofften Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen. Kaum jemand wollte (oder konnte) den Beitrag bezahlen. Nicht einmal alle 16 CSE-Stadtratskandidaten traten der Partei bei, die ab diesem Tag „Christlich-Soziale Union“ (CSU) hieß. Das Protokoll nennt als GrĂŒndungsmitglieder 14 MĂ€nner. Anselm Freimuth wurde zum Vorsitzenden gewĂ€hlt, Johann Brumbach zu seinem Stellvertreter. 1948 verlor die CSU ihre Mehrheit. Nur 3 CSU’ler kamen in den 16-köpfigen Stadtrat. Freimuth unterlag bei der BĂŒrgermeisterwahl dem neuen SPD-Kandidaten Lederer. Freimuth musste von 1946 bis 1948 oft den ViehhĂ€ndler Hanauer begleiten, der im Auftrag der MilitĂ€rregierung bei den Bauern Vieh und Brotgetreide beschlagnahmte. Die Landwirte verweigerten ihm ihre Stimme: “Der woar beim Hanauer dabei!”

1952 errang die CSU nur mehr zwei Stadtratssitze. Der Ortsverband hatte noch 5 Mitglieder, als Paul Freimuth am 6. MĂ€rz 1955 den Ortsvorsitz ĂŒbernahm. Nach den Wahlen vom 18. MĂ€rz 1956 zogen mit ihm, mit Georg Dobmeier, Karl Knorr, Anton Zimmermann und Willi Bösl fĂŒnf CSU‘ler in den Stadtrat ein. Noch besser kam es am 26. Oktober 1958. Nach dem RĂŒcktritt von BĂŒrgermeister Lederer setzte sich Willi Bösl mit 59,4 % gegen den amtierenden 2. BĂŒrgermeister Eugen Biller (SPD) durch. Bei den Wahlen am 27. MĂ€rz 1960 wurden die MehrheitsverhĂ€ltnisse auf den Kopf gestellt. Willi Bösl gewann die BĂŒrgermeisterwahl mit 77,36 %. Die CSU erhöhte ihre Sitzzahl auf 9 Mandate, die SPD rutschte von 8 auf 5 Sitze ab. Bösl wurde bei drei weiteren Wahlen 1966, 1972 und 1978 mit ĂŒberwĂ€ltigen Mehrheiten bestĂ€tigt. Die Kreispolitik gestaltete er von 1962 bis 1984 als stellv. Landrat maßgeblich mit. In seine Amtszeit fiel die Gebietsreform, bei der er hartnĂ€ckig und am Ende erfolgreich fĂŒr die Eingliederung Massenrichts nach Hirschau kĂ€mpfte. Als er 1984 aus dem Amt schied, bescheinigte ihm RegierungsprĂ€sident Krampol, dass „Hirschau unter ihm zu einem kleinen MusterstĂ€dtchen geworden ist.“ An diesem wurde unter Helmut Rösch, der bei den BĂŒrgermeisterwahlen 1984, 1990 und 1996 das Vertrauen erhielt, weitergebaut. Als wichtigstes der unter Rösch realisierten Projekte bezeichnete Schulz die Umstrukturierung des Krankenhauses in ein Alten- und Pflegeheim. DafĂŒr habe er eine Unmenge unsachlicher Attacken des politischen Gegners hinnehmen mĂŒssen. In Folge der Kampagne verlor die CSU ihre Mehrheit im Stadtrat, stellte aber mit 9 Sitzen die stĂ€rkste Fraktion. 2002 wurde mit Hans Drexler wieder ein CSU-Mann zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt. 2008 schenkten ihm 71 Prozent der WĂ€hler das Vertrauen. Mit seinem Namen werden immer der Neubau des Freizeitzentrums Monte Kaolino und die Sanierung der Innenstadt verbunden bleiben. Seit 2014 stehe mit Hermann Falk erneut ein CSU-Mann an der Spitze der Stadt. Unter seiner FĂŒhrung seien u.a. die Innenstadtsanierung fortgesetzt, die Postgasse saniert, die Moosweiherstraße ausgebaut, das Gewerbegebiet Am Bachranken und das Baugebiet Sonnenstraße erschlossen worden. 68,2 Prozent Zustimmung bei Falks Wiederwahl 2020 sprĂ€chen eine deutliche Sprache. Zudem habe die CSU einen Stadtratssitz hinzugewonnen, die SPD zwei Sitze verloren. Mit BĂ€rbel Birner und Hermann Gebhard stelle die CSU auch die beiden BĂŒrgermeisterstellvertreter. Zusammen mit dem BĂŒrgermeister verfĂŒge die CSU seither ĂŒber eine Mehrheit, mit der es verantwortungsvoll umzugehen gelte.

Im Ortsvorsitz sei auf Anselm Freimuth (1946-1955) und Paul Freimuth (1955-1972) Hans Fleischmann (1972-Jan.1979) gefolgt. Unter ihm sei die Mitgliederzahl auf 160 angewachsen. Nach einem Intermezzo durch Karl-Heinz Knorr (Januar 1979-August 1979) habe er selbst im November 1979 den Ortsvorsitz ĂŒbernommen bis zu seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden im Jahr 1993. WĂ€hrend seiner Amtszeit habe die Mitgliederzahl auf ĂŒber 200 gesteigert werden können. Sein Nachfolger GĂŒnter Mrasek sei 1996 im Alter von 44 Jahren verstorben. Nach einer Interimszeit sei Petra Waldhauser 1997 zur Vorsitzenden gewĂ€hlt worden. Unter ihrer FĂŒhrung habe das Ortsverbandsleben bis 2009 munter weiter pulsiert. Ähnlich großes Engagement hĂ€tten ihr Nachfolger Dieter Birner (bis 2014), Birgit Birner (2014-2019) und seither Florentin Siegert bewiesen.

Martin Merkls abschließender Dank galt Stadtpfarrer Hofmann und der Kirchenverwaltung fĂŒr die Überlassung des Pfarrheims. TraditionsgemĂ€ĂŸ gehörte der Besuch der Sternsinger zum Programm des FrĂŒhschoppens, in dessen Verlauf sich die GĂ€ste die von der CSU spendierten WeißwĂŒrste schmecken ließen. Der Musikzug umrahmte mit kleiner Besetzung die Veranstaltung. Sie wurde mit der Bayern- und Nationalhymne feierlich abgeschlossen.

Die 45-minĂŒtige RĂŒckschau von Werner Schulz (l.) auf 77 Jahre CSU-Ortsverband Hirschau geriet beim DreikönigsfrĂŒhschoppen zu einer geschichtlichen, mit viel Beifall bedachten Lehrstunde. DafĂŒr dankte ihm der stellv. CSU-Ortsvorsitzende Martin Merkl (r.), der in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Florentin Siegert die Veranstaltung leitete. - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
Die 45-minĂŒtige RĂŒckschau von Werner Schulz (l.) auf 77 Jahre CSU-Ortsverband Hirschau geriet beim DreikönigsfrĂŒhschoppen zu einer geschichtlichen, mit viel Beifall bedachten Lehrstunde. DafĂŒr dankte ihm der stellv. CSU-Ortsvorsitzende Martin Merkl (r.), der in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Florentin Siegert die Veranstaltung leitete.

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Foto: Werner Schulz
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