zurück zur Übersicht

Nachricht vom 03.05.2023 Rathaus

„MĂ€rchenkindergarten“ St. Wolfgang feiert 70. Geburtstag

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Als der St. Wolfgang-Kindergarten 1953 eingeweiht wurde, schwĂ€rmte nicht nur ganz Hirschau von ihm! Selbst ĂŒberregionale Zeitungen berichteten ĂŒber die Eröffnung des „Hirschauer MĂ€rchenkindergartens“, sogar in der „Wochenschau” wurde er deutschlandweit prĂ€sentiert. Am kommenden Sonntag, 7. Mai, wird sein 70. Geburtstag gefeiert.

Dass Hirschau seit 70 Jahren ĂŒber diese wertvolle Erziehungseinrichtung verfĂŒgt, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Wolfgang Droßbach! Der damalige Direktor der Amberger Kaolinwerke und EhrenbĂŒrger der Stadt - an den eine Gedenktafel im Kindergarteneingang erinnert - war der Initiator des Projektes, mit dessen Bau 1952 begonnen worden war. Am 14. Januar 1953 schloss Droßbach fĂŒr die AKW mit der Forster-Dorfnerschen Spital-, Krankenhaus- und Kinderasylstiftung eine Vereinbarung, nach welcher der Kindergarten in deren Besitz ĂŒbergehen sollte. Gleichzeitig wurde dessen Leitung dem Orden der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau” ĂŒbertragen - eine Regelung, die bis zum Abschied der Schwestern aus Hirschau im Jahr 2007 Bestand hatte. Auf die GrĂŒndungsleiterin Sr. Celsina Schaller folgten 1959 Sr. Venerabilis Becher, 1980 Sr. Regine Fechter, 1984 Sr. Elisabeth Peter, 1995 Sr. Luzilla Klein, 2001 Sr. Gabriele Liegl und 2006 Sr. Lydia Bauer. 2007 ĂŒbernahm mit Uta-Maria Kriegler erstmals eine weltliche Kraft die Leitung. Sie ist noch heute Chefin des St. Wolfgang-Erziehungspersonals.

Die Kindergarteneinweihung am 28. Juni 1953 geriet zu einem wahren Volksfest, wie die Schwesternchronik belegt: „Eine große Menschenmenge hatte sich um den Kindergarten versammelt, viele standen sogar auf den HolzstĂ¶ĂŸen des naheliegenden SĂ€gewerkes! Kinder der MĂ€dchen- und Knabenschule wirkten mit Gedichten und Liedern an der Gestaltung der Feierlichkeiten ebenso mit wie die Schnaittenbacher Bergkapelle, die die Kleinen musikalisch zum Kindergarten geleitete. Die Schwestern waren per Auto zum Kindergarten chauffiert worden. Nachdem Stadtpfarrer Geistl. Rat Friedrich Zeitler dem Bauwerk den kirchlichen Segen erteilt hatte und die Kinder mit SĂŒĂŸigkeiten beschenkt waren, wurde der Kindergarten zur allgemeinen Besichtigung freigegeben“. Die Chronik berichtet: „Da war alles eines Staunens ĂŒber dessen Herrlichkeit; besonders bewundert wurde der „Hirschauer Bockl”. Er sollte ĂŒber Jahrzehnte das Lieblingsspielzeug der Wolfgangs-KindergĂ€rtler bleiben! Weiter steht zu lesen: “Seitdem ist wohl kaum ein Tag vergangen, an dem sich nicht Besucher im modernsten Kindergarten Deutschlands einfanden. Von Schweden wurde Besuch angemeldet, von Frankreich kamen zwei Autos!”

Direktor Droßbach hielt, so der damalige AZ-Bericht, eine „literarisch ungemein delikate Rede“. Trotz des Widerstreits der Meinungen ĂŒber die Anlage und Ausgestaltung des Kindergartens, habe sich ein gesunder Zeitgeist bei dem eigenwilligen Werk durchgesetzt. Bis jetzt sei ihm nur ein einziges vernichtendes Urteil eines Fachmannes bekannt. Es stamme von seinem fĂŒnfjĂ€hrigen Neffen aus Hamburg: „Nee Onkel, dat iss keen Kindergarten – dat is ne Aral-Tankstelle!“ Zu einem Höhepunkt der Feierlichkeiten wurde schließlich die urkundliche Ernennung von Wolfgang Droßbach zum EhrenbĂŒrger der Stadt. BĂŒrgermeister Georg Lederer ĂŒberreichte ihm die Ehrenurkunde

Sein unerwarteter Tod am 30. August 1961 bedeutete fĂŒr die Stadt einen herben Verlust. Der Kindergarten hatte fortan in seiner Tochter Elisabeth Osterchrist eine großherzige Förderin, bis sie am 16. Juni 1992 bei einem FlugzeugunglĂŒck ums Leben kam. Seither sehen sich die Droßbach-Enkel aus der Familie Heckmann dem Erbe ihres Großvaters verpflichtet und unterstĂŒtzen den Kindergarten. Von einem weiteren großzĂŒgigen Förderer erfuhr man am 19. September 1999: Der gebĂŒrtige Hirschauer Max Schuster aus Pennsylvania vererbte aus Dankbarkeit gegenĂŒber den Armen Schulschwestern eine ansehnliche Summe.

Der Kindergarten erfuhr in seiner 70-jĂ€hrigen Geschichte eine Reihe von VerĂ€nderungen. Um Platz fĂŒr eine vierte Gruppe zu schaffen, wurde 1975 ein Erweiterungsbau in Angriff genommen. Rund 770 000 DM an Baukosten waren angefallen, als der Bau am 12. Dezember 1975 seiner Bestimmung ĂŒbergeben wurde. Mit einem großen Fest wurde am 29. Juli 1998 der Spielplatz auf dem angrenzenden Dorfner-GelĂ€nde eingeweiht. Die Schuster-Spende und die Firma AKW machten es möglich, dass man das Kindergartenareal am 30. Juni 2002 um einen Wasserspielplatz und eine Verkehrsspielzone erweitern konnte. Als 2010 die Kinderkrippe eröffnet wurde, waren grĂ¶ĂŸere Brandschutzmaßnahmen durchzufĂŒhren.

Heute fĂŒhlen sich 71 Kinder in den je zwei Krippen- und Kindergartengruppen bestens aufgehoben. FĂŒnf pĂ€dagogische FachkrĂ€fte, sechs pĂ€dagogische ZweitkrĂ€fte, eine Praktikantin und eine Assistenzkraft leisten engagierte Arbeit. Sie alle beteiligen sich jeden Monat an zwei Tagen am AOK-Gesundheitsförderprogramm „JolinchenKids“. Seit 2017 haben die Kinder ein zweites Kita-Zuhause. Gut sieben Monate im Jahr wird ein Waldquartier am Kalvarienberg zum Lern- und Spielort. Von Dienstag bis inklusive Freitag ist jeweils eine der Gruppen dort. Höhepunkt der Waldkindergarten-Tage ist alljĂ€hrlich eine Waldwoche. FĂŒnf Tage lang ist dann fĂŒr die Kinder aller vier Gruppen „Natur pur“ angesagt. Groß geschrieben wird in der Einrichtung auch das Singen. Mehrfach wurde man vom Deutschen Chorverband mit dem GĂŒtesiegel „FELIX“ ausgezeichnet. Seit zweieinhalb Jahren können die Kinder auch ihr Mittagessen aus der KĂŒche von Sandro Lutz im Kindergarten einnehmen. Ca. 35 Kinder machen davon tĂ€glich Gebrauch.

In der Stadtgemeinde hat man allen Grund das 70-JĂ€hrige des Kindergartens gebĂŒhrend zu feiern. Das Festprogramm beginnt am Sonntag, 7. Mai, um 14 Uhr mit einem Auftritt der Krippen- und Kindergartenkinder und dem Austanzen des Maibaums. FĂŒr Verpflegung sorgen der Foodtruck von MC. Ellisda und der Elternbeirat mit Kaffee, Kuchen und SĂŒĂŸigkeiten. Eine HĂŒpfburg, verschiedene Spielstationen, wie z.B. Dosenwerfen und ein Zeitstrahl mit Erinnerungen aus den letzten 70 Jahren sorgen fĂŒr Unterhaltung fĂŒr alle kleinen und großen GĂ€ste. FĂŒr musikalische Untermalung ist ebenfalls gesorgt. Um 17.30 Uhr beginnt die Ziehung der Gewinnerlose der großen Tombola. Der Hauptpreis ist der St. Wolfgangs-Maibaum. Das Team des Kindergartens und der Krippe freut sich auf zahlreiche Besucher und auf ein tolles Fest.

„Nee Onkel, dat is keen Kindergarten – dat is ne Aral-Tankstelle!“ So kommentierte der fĂŒnfjĂ€hrige Neffe von Direktor Wolfang Droßbach bei der Einweihung das Aussehen des von seinem Onkel gestifteten Kindergartens. - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
„Nee Onkel, dat is keen Kindergarten – dat is ne Aral-Tankstelle!“ So kommentierte der fĂŒnfjĂ€hrige Neffe von Direktor Wolfang Droßbach bei der Einweihung das Aussehen des von seinem Onkel gestifteten Kindergartens.

Veröffentlichung

Möchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!

Hinweis

Für den Inhalt der Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Bilder / Fotos

Foto: Werner Schulz
Foto: Werner Schulz
Foto: Werner Schulz
Foto: Werner Schulz