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Nachricht vom 16.12.2023 Sonstiges

Den „guten Hirten“, Geistl. Rat Friedrich Zeitler, zum Ehrenbürger ernannt

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Vor 65. Jahren, genau am 14. Dezember 1958, fand im Sitzungssaal des Rathauses eine Sondersitzung der Hirschauer Stadtrats statt. Der Grund: Bürgermeister Willi Bösl überreichte an Geistlichen Rat Friedrich Zeitler die Ehrenbürgerurkunde.

Beschlossen hatte der Stadt die Auszeichnung auf Antrag der CSU-Stadtratsfraktion bereits in seiner Sitzung am 1. Oktober 1958. Anlass für die Antragstellung war das 25-jährige Ortsjubiläum Zeitlers, der am 3. Dezember 1933 sein Amt als Hirschauer Stadtpfarrer angetreten hatte. Der am 24. Juni 1888 in Mitterteich geborene Geistliche hatte vorher sechs Jahre lang als Pfarrer im benachbarten Großschönbrunn gewirkt. Zeitler stellten die Jahre der Nazi-Diktatur, des 2. Weltkriegs und die Flüchtlingsnot der Nachkriegsjahre vor schwierigste Aufgaben. So sorgte er dafür, dass der am 20. April 1945 bei einem US-Bombenangriff schwer beschädigte Kirchturm und das zur Hälfte zerstörte Kirchendach schnellstmöglich wieder instandgesetzt wurden. Nachdem im Frühjahr 1942 die Kirchenglocken (bis auf die Sterbeglocke) beschlagnahmt worden waren, bemühte er sich mit Erfolg um ein neues Geläute. Am 18. Dezember 1949 konnte es Stadtpfarrer Zeitler, der 1941 zum Dekan und 1946 zum Bischöflich Geistlichen Rat ernannt worden war, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung einweihen. Auch das Innere der Pfarrkirche und der Vierzehnnothelferkirche ließ er während seiner Amtszeit renovieren. Durch die Bereitstellung von kircheneigenem Bauland für den sozialen Wohnungsbau trug er wesentlich zur Linderung der Wohnungsnot im Nachkriegs-Hirschau bei. In der Reihe seiner für die Allgemeinheit wichtigen Aktivitäten darf der am 26. Mai 1953 erfolgte Kauf des Löwenbräusaals (im Volksmund „Ertlsaal“) nicht fehlen. Der Gebäudekomplex wurde renoviert und erweitert und erhielt die Bezeichnung Josefshaus. An dieses ließ der Pfarrherr 1957 ein modernes Jugendheim anbauen. Ein unermüdlicher Motor dieses Projektes war Kooperator Josef Schedl, der ab 1955 acht Jahre in Hirschau wirkte. Während Zeitlers 29-jähriger Amtszeit unterstützten ihn acht Kooperatoren (heute Kapläne) bei der Seelsorgearbeit.

In der Bevölkerung wurde Zeitler nur selten als „Stadtpfarrer“ tituliert. Man sprach in der Regel vom „Geistlichen Rat“. Zeitzeugen berichten von seinem ständigen Bemühen, durch Güte und Toleranz überall und jederzeit vermittelnd und versöhnend zu wirken. Zu den Markenzeichen des leutseligen Seelsorgers gehörte seine Leidenschaft für das Schafkopfen. Dazu traf er sich nur zu gerne beim „Sporrer-Röisl“, beim Böckl, beim Specht, beim Schwanenwirt und vor allem in „seinem“ Josefshaus. Organisator der Schafkopfrunde war oftmals Engelbert Rösch, der Vater von Altbürgermeister Helmut Rösch. Mangels Telefon, SMS oder gar WhatsApp wurde der Helmut, selbst Ministrant, vom Vater zum „Einsagen“ von Uhrzeit und Gastwirtschaft zu den anderen Schafkopffreunden wie z.B. dem Ritter Adam, dem Tröster Wolf, dem Schwab Wolfgang oder dem Segerer Hans geschickt. Von Zeitler-Kennern wird zudem berichtet, dass der Geistliche Rat einem guten Tröpfchen Wein nicht abgeneigt war.

Am 8. Juli 1962 feierte er, nachdem er zum 1. Juli von seinen Ämtern entbunden wurde, seinen letzten Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Abends wurde er im voll besetzten Josefshaussaal von Pfarrei und Stadt offiziell verabschiedet. In der AZ stand damals u.a. zu lesen: „Mit Recht kann man sagen, dass unser Geistl. Rat der rechte Seelsorger für diese Zeit war. In kluger Besonnenheit, echter Toleranz und priesterlicher Liebe leitete und führte er seine Stadtpfarrei. Er war ihr guter Hirte in schwieriger Zeit.“ Seinen Ruhestand, den er in seiner Heimatstadt Mitterteich verbrachte, konnte Friedrich Zeitler nicht lange genießen. Er verstarb am 11. November 1963.

Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts konnte Friedrich Zeitler noch selbst erleben, nicht mehr aber eine zweite Ehrung. Zwei Jahre nach seinem Tod fasste der Stadtrat den Beschluss, das segensreiche Wirken und die bleibenden Verdienste des Geistlichen eine Straße nach ihm zu benennen. Seitdem heißt die Straße, „die sich von der Walkstraße im Osten über den Neubau Freimuth am Höllriegel bis zur Schönbrunner Straße (heute Max-Reger-Straße) im Westen erstreckt“ Friedrich-Zeitler-Straße.

Wichtige Daten aus Friedrich Zeitlers Leben:

- Geboren am 24. Juni 1888 in Mitterteich

- Priesterweihe 1913

- 1913/14: Kooperator in Fichtelberg

- 1914-1918: Divisionspfarrer im Kriegsdienst

- 1918-1924: Kooperator in Marktredwitz

- 1924-1926: Benefiziat in Schnaittenbach

- 1926/1927: Benefiziat in Vilseck

- 1927-1933: Pfarrer in Großschönbrunn

- 1933-1962: Stadtpfarrer in Hirschau

- 1941: Ernennung zum Dekan des Kapitels Hirschau

- 1946: Verleihung des Titels Bischöflich Geistlicher Rat

- Verstorben am 11. November 1963 in Mitterteich.

Am 4. November 1965 beschloss der Stadtrat, eine Straße nach dem Ehrenbürger, Geistlichem Rat Friedrich Zeitler, zu benennen. Die Friedrich-Zeitler-Straße reicht von der Walkstraße im Osten bis zur Max-Reger-Straße im Westen. Im Bild v. l.: Bürgermeister Hermann Falk, Altbürgermeister Helmut Rösch, Ex-Stadtrat Hermann Gebhard (beide Ministranten zu Zeitlers Zeiten) und Stadt-Heimatpfleger Sepp Strobl. - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
Am 4. November 1965 beschloss der Stadtrat, eine Straße nach dem Ehrenbürger, Geistlichem Rat Friedrich Zeitler, zu benennen. Die Friedrich-Zeitler-Straße reicht von der Walkstraße im Osten bis zur Max-Reger-Straße im Westen. Im Bild v. l.: Bürgermeister Hermann Falk, Altbürgermeister Helmut Rösch, Ex-Stadtrat Hermann Gebhard (beide Ministranten zu Zeitlers Zeiten) und Stadt-Heimatpfleger Sepp Strobl.

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Foto: Werner Schulz
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