Hirschau (Bericht von Werner Schulz) Sonntag, der 4. Juli 1965, war ein großer Tag für die Pfarr- und Stadtgemeinde. Neupriester Georg Dobmeier feierte seine Primiz. Niemand ahnte, dass er nur 31 Jahre als Priester wirken darf. Am 11. Februar 1996 verstarb er im Alter von 62 Jahren nach jahrelangem Kampf gegen seine Darmkrebserkrankung.
Georg Dobmeiers Lebensweg führte ihn aber nicht direkt zum Priesterberuf. Am 4. Oktober 1933 in Hirschau geboren, besuchte er in seiner Heimatstadt die Volksschule. Für seinen Vater Georg, Metzgermeister und Gastwirt, war es selbstverständlich, dass der Sohn das Metzgerhandwerk erlernt. Der machte folgsam seine Lehre. Am 6. Mai 1952 händigte ihm die Handwerkskammer Oberpfalz den Gesellenbrief aus. Dem Vater war es dann nicht leicht beizubringen, dass es mit der Übernahme der väterlichen Metzgerei nichts wird. Seine Schwester Maria Helm erzählt: „Der Georg hat schon als Schulbub hausintern Predigten gehalten. Ältere Damen, die bei uns zu Besuch waren, hat er regelmäßig zum Besuch der Heiligen Messe ermahnt.“ Ihr Bruder entschloss sich, das Abitur nachzuholen. 1954 trat er in das Spätberufenen-Gymnasium in München-Fürstenried. Er verließ es 1959 mit dem Abitur und begann sein Philosophie- und Theologiestudium an der Uni Regensburg. Dabei lernte er den ghanaischen Studenten Pio Kpeglo kennen. Ihn brachte er 1961 erstmals mit nach Hirschau. Im Verlauf weiterer Besuche fand Pio viele Wohltäter. Sie starteten 1980/81 die Aktion „Ein Auto für Pio“ und übergaben ihm 1982 ein Fahrzeug. Pio, später Generalvikar in Accra, war lange Jahre zu Gast bei Georg Dobmeiers Schwester Maria und ihrem Mann Fritz.
Nach Abschluss des Studiums und einem einjährigen Praktikum als Diakon in Vilsbiburg wurde Georg Dobmeier am 29. Juni 1965 im Regenburger Dom von Bischof Rudolf Graber zum Priester geweiht. Am Sonntag, 4. Juli, feierte ganz Hirschau die Primiz seines Neupriesters. Georg Dobmeier zelebrierte in der überfüllten Stadtpfarrkirche sein erstes hl. Messopfer. Beim Primizmahl im festlich geschmückten Josefshaus überbrachte Stadtpfarrer Heinrich Röhrl die erfreuliche Nachricht, dass der Primiziant vorerst in Hirschau bleiben darf. Anschließend war er in Selb und in der Pfarrei St. Georg in Amberg jeweils zwei Jahre als Kaplan eingesetzt. Von Herbst 1969 bis September 1977 unterrichtete er als hauptamtlicher Religionslehrer im Amberger Schulzentrum, das neben berufsbildenden Schulen eine Wirtschaftsschule und ein Wirtschaftsgymnasium umfasste. Bis 1975 kümmerte es sich vorbildlich als Spitalpfarrer um die Bewohner und Bewohnerinnen des Bürgerspital-Altenheims. Von 1975 bis 1977 übernahm er die Aufgabe als Pfarrprovisor der Pfarrei Ehenfeld-Massenricht.
Ab Ende der 1960-er Jahre engagierte er sich in Hirschau kommunalpolitisch. Das Interesse dafür war ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater saß von 1948 bis 1956 für die CSU im Stadtrat. Er selbst wurde 1972 in den Stadtrat gewählt und war bis Herbst 1977 Sprecher der CSU-Faktion. Schon während seines Studiums war er politisch sehr aktiv. Im Wintersemester 1960/61 war er z.B. AStA-Vorsitzender der Philosophisch-Theologischen Hochschule.
1977 wurde er zum Stadtpfarrer von St. Marien in Sulzbach-Rosenberg ernannt. Unter seiner Leitung wuchs die Aufgeschlossenheit für die Mitarbeit der Laien. Besonders lag ihm die Annaberg-Kirche am Herzen. Ein Höhepunkt war 1981 das 325-jährige Wallfahrtsjubiläum. Er baute Häuser mit Sozialwohnungen und ökumenischer Sozialstation, erweiterte das Altenheim St. Barbara und setzte mit der Innenrenovierung von St. Hedwig einen markanten Schlusspunkt. Im September 1983 ernannte ihn Bischof Manfred Müller zum Stadtpfarrer von St. Jakob in Straubing. Er setzte sich mit ganzer Kraft für die Pfarrei, insbesondere für die Jugend ein. Herausragend war das am 23. Juni 1989 anlässlich der Erhebung der Stiftskirche zur „Basilica minor“ gefeierte Pontifikalamt mit Bischof Müller und Kurienkardinal Mayer. 1994 wurde sein Einsatz als Dekan der Stadt Straubing und Regionaldekan für das Gebiet Straubing-Viechtach-Deggendorf mit der Ernennung zum Monsignore belohnt. Über all die Jahre hielt er engen Kontakt zu seinen Freunden in Hirschau. Für sie war und blieb er ganz einfach der „Schorsch“. Am 11. Februar 1986 war Georg Dobmeiers Lebensweg beendet. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde er am 15. Februar in Hirschau beerdigt.
Foto: Archiv: Maria HelmMöchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!
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